Wirtschaftsausblick | Slowenien

Top-Thema: Sinkende Wettbewerbsfähigkeit und steigende Risiken

Sloweniens exportorientierte Wirtschaft sieht sich zunehmenden Herausforderungen gegenüber. Über die letzten Jahre hat der Standort an Wettbewerbsfähigkeit verloren, was auf mehrere Faktoren zurückzuführen ist: Hohe Arbeitskosten, ein wenig flexibler Arbeitsmarkt, ein ausgeprägter Fachkräftemangel und eine hohe Steuerlast belasten die Wirtschaft. Darüber hinaus tragen Kapazitätsengpässe im Gesundheitssektor zur Erhöhung des Krankenstandes bei. Externe Faktoren, wie geopolitische Spannungen und internationale Handelskonflikte, verstärken die Unsicherheit weiter.

Wirtschaftsverbände und Unternehmen üben zunehmend Kritik an der Wirtschaftspolitik der Regierung unter Ministerpräsident Robert Golob. Ein aktuelles Beispiel für negative Maßnahmen ist die überraschende Einführung eines verpflichtenden Weihnachtsgeldes, die sowohl die Lohnkosten als auch den Verwaltungsaufwand erhöht. Gleichzeitig sind steuerliche Entlastungen aufgrund des angespannten Haushalts lagern kaum greifbar. Angesichts der anstehenden Parlamentswahlen im Frühling 2026 wächst jedoch die Hoffnung auf notwendige Reformen.

Wirtschaftsentwicklung: Perspektiven auf Erholung

Trotz bestehender Standortschwächen gibt es positive Prognosen für eine wirtschaftliche Erholung ab 2026. Analysten unterschiedlicher Institutionen zeigen zwar unterschiedliche Details, kommen jedoch zu dem Konsens, dass die Wirtschaft wieder an Dynamik gewinnen sollte. Die EU-Kommission rechnet mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,4 Prozent für das Jahr 2026, während das nationale Institut IMAD ein etwas bescheideneres Wachstum von 2,1 Prozent voraussetzt. Auch für 2027 wird weiteres Wachstum prognostiziert.

Kurzfristig bleibt die Lage zwar gedämpft. Nach einem schwachen ersten Halbjahr 2025 musste eine deutliche Korrektur der ursprünglich optimistischen Frühjahrsprognosen stattfinden: Während man ursprünglich mit einem Wachstum von über 2 Prozent rechnete, schätzt IMAD für das Gesamtjahr nun nur 0,8 Prozent. Diese Revision ist auf eine schleppende Entwicklung der Exporte zurückzuführen, die hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Exportwirtschaft und internationale Nachfrage

Im Jahr 2026 wird jedoch mit einer Erholung der internationalen Nachfrage gerechnet. Laut Prognosen der EU-Kommission wird in Sloweniens Hauptabsatzmärkten Deutschland, Italien und Österreich ein Wachstum von rund 1 Prozent erwartet. Dies könnte die Exporte, die im Jahr 2025 stagnierten, wieder in den positiven Bereich führen. IMAD prognostiziert ein Exportplus von 2,8 Prozent, während die OECD mit 1,3 Prozent vorsichtiger bleibt. Solche Erwartungen sind jedoch immer mit globalen Unsicherheiten verbunden.

Eine Erhöhung der Auslandsnachfrage würde auch der Industrie zugutekommen. Nach einem Rückgang der Produktionsleistung um 1 Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 deuten aktuelle Daten auf eine Stabilisierung des Geschäftsklimas hin. Zudem wird eine Produktionsausweitung bei Revoz erwartet, wo ab 2026 der neue E-Twingo gefertigt werden soll. Während auch die Pharmabranche ein stabiler Wachstumstreiber bleibt, mit der Inbetriebnahme eines neuen Werks durch Sandoz, gewinnt die Verteidigungsindustrie an Bedeutung, insbesondere durch die Gründung der staatlichen Investmentgesellschaft DOVOS, die den Aufbau neuer Produktionskapazitäten vorantreiben soll.

Öffentliche Investitionen und EU-Fördermittel

Die slowenische Regierung erwartet für 2026 ein starkes Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen von etwa 3 Prozent. Diese Annahme basiert auf einer Erholung der Exporte und der industriellen Produktion. Bereits im dritten Quartal 2025 stiegen die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 9,1 Prozent, insbesondere bei den Investitionen in den Gebäudebau im nichtwohnwirtschaftlichen Bereich. Diese Investitionen dürften auch angesichts der geplanten Nutzung von EU-Fördermitteln 2026 kräftig ansteigen. Der EU-Wiederaufbaufonds wird zum Ende von 2026 geschlossen, sodass Slowenien etwa 700 Millionen Euro innerhalb eines Jahres abrufen muss. Zudem stehen bis 2030 fast 3 Milliarden Euro an Kohäsionsgeldern bereit, wovon ein Teil in den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe 2023 fließt.

Binnennachfrage und Staatsausgaben

Die Binnennachfrage bleibt ein zentraler Wachstumstreiber, obwohl der Anstieg der privaten Konsumausgaben mittelfristig abnimmt. Parallel hierzu steigen die Staatsausgaben, die ebenfalls zur Stabilisierung der Konjunktur beitragen. Die Einführung des neuen Weihnachtsgeldes sorgt bereits 2025 für Mehrausgaben, während ab 2026 zusätzlich das Verteidigungsbudget bis 2030 schrittweise von 2 auf 3 Prozent des BIP angehoben werden soll. Diese Budgeterhöhung ist verbunden mit zusätzlichen Ausgaben für Personal und Ausstattung.

Deutsche Perspektive: Schlüsselmarkt Deutschland

Die Handelsbeziehungen zu Deutschland sehen sich 2025 einem Rückgang gegenüber. Laut den Daten des slowenischen Statistikamts sanken die Einfuhren aus Deutschland in den ersten neun Monaten um 4,3 Prozent, während die Exporte um 1 Prozent zurückgingen. Besonders stark betroffen ist die bedeutendste Warengruppe, die Lieferung von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen, die um 1,9 Prozent schrumpften.

Neue Großinvestitionen deutscher Unternehmen wurden in letzter Zeit nicht getätigt. Dennoch bewerten viele Firmen den Standort Slowenien weiterhin als attraktiv. Laut der AHK Slowenien profitieren Investoren von kurzen Entscheidungswegen und Förderinstrumenten sowie schnelleren Genehmigungsverfahren. Es gibt jedoch wachsende Bedenken hinsichtlich der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit: In der neuesten Konjunkturumfrage der AHK wird die Innovationskraft des Landes positiv hervorgehoben, während hohe Arbeitskosten, Steuerbelastungen und komplexe Regulierungen als Hindernisse angesehen werden.

Fazit: Herausforderungen und Perspektiven für Slowenien

Sloweniens Wirtschaft steht vor signifikanten Herausforderungen, die die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Dennoch gibt es positive Perspektiven für eine Erholung der Konjunktur, die durch steigende Exporte und öffentliche Investitionen unterstützt wird. Während globale Unsicherheiten bestehen bleiben, könnte eine stärkere Binnennachfrage und EU-Förderung einen stabilisierenden Effekt haben.