KI im Marketing: Standardlösungen ersetzen eigene Tools
07.01.2026 – 07:13:11
Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Mehrheit der Vermarkter auf standardisierte KI-Tools setzt, während die umfassende Integration autonomer Agenten noch in den Kinderschuhen steckt. Künstliche Intelligenz hat sich jedoch bereits im Marketingalltag etabliert.
Trend zur Nutzung standardisierter KI-Tools
Die aktuelle Branchenanalyse verdeutlicht, dass Marketing-Profis zunehmend auf vorgefertigte KI-Lösungen zurückgreifen. Laut der Studie „Marketer’s Guide to AI Applications 2026“ nutzen 85 Prozent der Befragten bereits fertige „out-of-the-box“ KI-Tools. Im Vergleich dazu erstellen nur 40 Prozent der Vermarkter eigene Tools, basierend auf bestehenden Modellen wie Googles Gemini oder OpenAI GPT. Die Entwicklung eigener Large Language Models (LLMs) ist mit lediglich 19 Prozent der Befragten noch weniger verbreitet. Dies stellt einen klaren Paradigmenwechsel im jahrelangen „Build vs. Buy“-Dilemma dar, in dem sich Marketing-Manager entscheiden mussten, ob sie eigene Technologien entwickeln oder auf bewährte Lösungen zurückgreifen. Die Entscheidung für standardisierte Tools legt den Fokus auf Effizienz und einen schnelleren Marktzugang, was in der dynamischen Marketinglandschaft zunehmend erforderlich ist.
Pragmatische Veränderungen im Umgang mit KI
Die Beobachtungen aus der Studie weisen darauf hin, dass der anfangs bestehende Pioniergeist in der KI-Technologie zunehmend einem pragmatischen Ansatz gewichen ist. Bedenken in Bezug auf Datenschutz und der Drang nach exklusiven Technologien scheinen an Bedeutung verloren zu haben. Stattdessen stehen mittlerweile die sofortige Verwendbarkeit und die schnelle Implementierung im Vordergrund. Ein weiterer Aspekt, der die wachsende Akzeptanz erklärt, sind die verbesserten Sicherheitsstandards bei kommerziellen Plattformen. In dieser neuen Situation gilt es, die Marketingstrategien den sich wandelnden Regularien anzupassen. Seit August 2024 gelten neue EU-Vorschriften für KI, die Unternehmen dazu drängen, sich mit den entsprechenden Anforderungen auseinanderzusetzen und die richtigen Klassifikationen vorzunehmen. Das erfordert eine umfassende Dokumentation der eingesetzten Systeme, insbesondere für Teams, die standardisierte Lösungen implementieren. Dies zeigt, dass der Einsatz von KI im Marketing längst kein Experimentierfeld mehr ist, sondern eine essenzielle Komponente der modernen Marketingstrategie.
Content-Erstellung als Treiber der KI-Anwendung
Die Studie identifiziert die Texterstellung als den Hauptanwendungsbereich der neuen Technologien. Bereits 72 Prozent der befragten Vermarkter setzen im Jahr 2025 Künstliche Intelligenz für die Generierung von Textinhalten ein, was einen Anstieg von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Darüber hinaus hat die Nutzung von KI-Tools zur Erstellung von Multimedia-Inhalten an Dynamik gewonnen. 64 Prozent der Unternehmen nutzen mittlerweile KI für die Erstellung von Videos, Bildern und Musik, was eine bemerkenswerte Steigerung von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Dies zeigt, dass kreative Fähigkeiten, für die früher auf teure Agenturen zurückgegriffen wurde, nun durch KI einem breiteren Benutzerkreis zugänglich werden. Die technische Weiterentwicklung ist der Motor hinter dieser Transformation, der es den Marketing-Teams ermöglicht, effizienter zu arbeiten und dabei gleichzeitig kostengünstiger zu produzieren.
Herausforderungen bei der Integration autonomer Agenten
Obwohl die Studie eine weit verbreitete Nutzung von generativer KI aufzeigt, bleibt die Integration von Agentic AI – also autonomen Systemen, die komplexe Workflows autonom verwalten können – eine Herausforderung. Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) hat solche Systeme bislang nicht in ihre Geschäftsprozesse integriert. Marketing-Teams setzen KI vorerst hauptsächlich als unterstützendes Werkzeug ein, etwa für die Erstellung von E-Mails, anstatt ihr die Entscheidungskompetenz für komplexere Aufgaben zu übertragen. Diese Zurückhaltung ist oft auf mangelndes Vertrauen in die Technologie sowie auf den höheren Integrationsaufwand zurückzuführen, der erforderlich ist, um markenkonforme Abläufe sicherzustellen.
Wirkungen auf die Unternehmensstruktur
Die wachsende Standardisierung der KI-Tools hat auch einen direkten Einfluss auf die Struktur der Unternehmen. In den letzten zwei Jahren wurden zunehmend spezialisierte Führungspositionen geschaffen, wie etwa die Ernennung von Chief AI Officers in großen Unternehmen wie General Motors, Mastercard und ZocDoc. Diese Entwicklung zeigt, dass die Verantwortung für die KI-Strategie von der IT-Abteilung in den Vorstandskreis übergegangen ist, wodurch KI als strategisches Element der Unternehmensführung anerkannt wird. Gleichzeitig zeigt eine separate Studie von Invoca ein auffälliges Missverhältnis zwischen den Effekten, die Vermarkter in Bezug auf KI erwarten, und der Wahrnehmung der Verbraucher. Während 86 Prozent der Vermarkter glauben, dass KI das Kundenerlebnis verbessert, stimmen nur 35 Prozent der Verbraucher dieser Einschätzung zu. Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass die Abhängigkeit von standardisierten Tools Risiken birgt: Ohne ausreichende menschliche Kontrolle könnte die Markenidentität homogen und leicht austauschbar werden.
Fazit: Der Weg zu autonomen Agenten
Im Jahr 2026 wird der Markt voraussichtlich einen bedeutenden Fortschritt in der Schließung der Lücke zwischen statischen Tools und autonomen Agenten machen. Da immer mehr „out-of-the-box“-Plattformen agentische Funktionen integrieren, ist zu erwarten, dass die Nutzung von Agentic AI stark ansteigt. Vermarkter sind auf der Suche nach praktischen, skalierbaren Anwendungen, um ihre Effizienz zu steigern, anstatt neue Technologien von Grund auf neu zu entwickeln. Diese Entwicklung markiert das Ende der Experimentierphase und den Beginn eines pragmatischen Einsatzes von KI im Marketing.

