Einfluss des EU AI Act auf globale KI-Trainingsmethoden
Regulierung internationaler Trainingsdaten durch die EU
In der aktuellen Diskussion über die Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) wird häufig angenommen, dass europäische Vorschriften nicht für Unternehmen gelten, die ihre KI-Modelle außerhalb der EU trainieren. Der EU AI Act hingegen stellt klar, dass bestimmte Regelungen auch dann Anwendung finden, wenn das Training in Ländern wie Singapur oder den USA durchgeführt wird. Viele Unternehmen, die generative KI-Systeme oder Hochrisiko-Anwendungen entwickeln, sollten sich dieser extraterritorialen Reichweite bewusst sein, da sie rechtliche, ethische und strategische Folgen hat.
Urheberrechtliche Herausforderungen und deren Auswirkungen
Künstliche Intelligenz, insbesondere durch neuronale Netze, lernt aus vorliegenden Daten, die aus verschiedenen Quellen stammen, darunter Musik, Literatur und journalistische Texte. Juristische Diskussionen ranken sich darum, unter welchen Bedingungen dieses Webscraping in der EU zulässig ist. Erste Gerichtsurteile deuten darauf hin, dass das Training grundsätzlich erlaubt sein könnte, jedoch unter klaren Grenzen. Wenn Künstler oder Journalisten ihre Werke mit einem maschinenlesbaren Opt-out versehen, müssen KI-Entwickler diese Vorgabe erkennen und respektieren, insbesondere wenn das Training in Europa stattfindet.
Komplexität der Urheberrechtskonformität
Unternehmen sehen sich damit vor praktischen Herausforderungen, da das Urheberrecht territorial beschränkt ist. Das bedeutet, dass die Rechtmäßigkeit der Verwendung von Musikwerken für das Training eines KI-Systems von den örtlichen Gesetzen abhängt. Ein Beispiel: Wenn geschützte Werke in KI-Systemen in Deutschland generiert werden, sind Künstler berechtigt, Ansprüche geltend zu machen, auch wenn das Training selbst in einem Land stattfand, in dem dieses rechtlich zulässig war. Diese rechtlichen Feinheiten machen eine fundierte urheberrechtliche Strategie unerlässlich.
Strategien zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben
Unternehmen, die KI-Modelle in der EU vertreiben wollen, sollten eine „Strategie zur Einhaltung des Urheberrechts“ entwickeln. Diese Strategie muss aufzeigen, wie das Opt-out-Recht beachtet wird. Das Training im Ausland entbindet nicht von den Verpflichtungen, die in der EU gelten. Eine gut formulierte Strategie ist somit mehr als nur ein Compliance-Element; sie ist entscheidend für die Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten und für die rechtliche Sicherheit im täglichen Geschäft.
Fazit: Bedeutung des AI Act für Unternehmen
Die extraterritoriale Wirkung des EU AI Acts erfordert von Unternehmen, nationale und internationale Regelungen sys-tematisch zu berücksichtigen. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Techniken zur Datenverarbeitung und die Entwicklung von KI-Systemen. Unternehmen sind gut beraten, ihre organisatorischen Strukturen auf diese neuen Herausforderungen einzustellen, um sowohl den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden als auch ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

