Datenqualität im Fokus: Unternehmen im Wettbewerb
Einführung in die Hochrisiko-KI-Regulierung der EU
Ab dem 2. August 2026 werden in der Europäischen Union strenge Regelungen für Hochrisiko-KI-Systeme gelten. Diese Bestimmungen konzentrieren sich insbesondere auf Artikel 10 des KI-Gesetzes (KI-VO), das hohe Anforderungen an die Qualität der Trainingsdaten stellt. Im Vergleich zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die sich auf den Schutz personenbezogener Daten fokussiert, adressiert Artikel 10 die technische Qualität der verwendeten Daten. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Datensätze repräsentativ, fehlerfrei und vollständig sind. Zusätzlich sind sie verpflichtet, mögliche Verzerrungen (Bias) zu analysieren, die zu Diskriminierung oder Sicherheitsrisiken führen können.
Diese neuen Vorgaben stellen einen grundlegenden Wandel von einer rein rechtlichen zu einer technischen Compliance dar. Es ist erforderlich, dass Datenwissenschaftler und Juristen eng kooperieren, um die Herkunft, Sammlung und Verarbeitung der Daten transparent zu dokumentieren. Für viele Firmen wird dies bedeuten, dass bereits bestehende, trainierte KI-Modelle nachträglich gründlich überprüft werden müssen.
Relevanz des Standardelements prEN 18286
Ein zentraler Aspekt bei der operativen Umsetzung der Vorschriften ist der Harmonisierte Standard prEN 18286, der die Anforderungen der EU-KI-Verordnung spezifiziert. Dieser Standard zielt darauf ab, eine Vermutung der Konformität zu schaffen, wodurch Unternehmen eine verlässliche Grundlage für die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen erhalten. Die öffentliche Anhörung zu diesem Standard endete im Dezember 2025, und die europäischen Normungsgremien CEN und CENELEC werten derzeit die Rückmeldungen der beteiligten Interessengruppen aus. Die finalisierte Fassung wird im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden, doch Experten raten dazu, sich vorerst an bestehenden Normen wie ISO/IEC 42001 zu orientieren. Da die Zeit drängt und der fertige Standard erst kurz vor der Deadline erwartet wird, steht die Wirtschaft unter zusätzlichem Druck.
Digitaler Omnibus: Unsicherheit über Fristen
Mit dem möglichen Aufschub der Frist für Hochrisiko-KI-Systeme entsteht zusätzliche Unsicherheit. Die EU-Kommission hat im November 2025 das Gesetzespaket „Digitaler Omnibus“ vorgeschlagen, das eine Verschiebung der Frist auf den 2. Dezember 2027 für viele Anwendungen wie Personalwesen oder Kredit-Scoring vorsieht. Obwohl dieser Vorschlag diskutiert wird, ist er gegenwärtig noch kein Gesetz und die Verhandlungen im Rat und Parlament sind im Gange. Daher wird empfohlen, die ursprüngliche Deadline im August 2026 als maßgeblich anzusehen und im Hinblick auf diese zu arbeiten.
Ein Verstoß gegen die Vorgaben kann mit hohen Bußgeldern geahndet werden—bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des jahresglobalen Umsatzes. Aus diesem Grund raten Experten, sich nicht auf die mögliche Fristverschiebung zu verlassen, sondern weiterhin aktiv die erforderlichen Maßnahmen zur Einhaltung der bestehenden Regelungen zu ergreifen.
Strategische Maßnahmen für Unternehmen
Trotz der Unsicherheit bezüglich der Zeitplanung bleibt die strategische Dringlichkeit für Unternehmen, die KI in kritischen Bereichen einsetzen, unverändert. Es gibt drei entscheidende Schritte, die Unternehmen zur Einhaltung der neuen Vorschriften unternehmen sollten:
- Dateninventur und Lückenanalyse: Unternehmen müssen ihre Datensätze für Hochrisiko-KI umfassend katalogisieren und auf Repräsentativität sowie mögliche Verzerrungen prüfen.
- Implementierung von Bias-Erkennungsmaßnahmen: Technische Lösungen zur Identifizierung und Minimierung von Verzerrungen sind nun Pflicht. Artikel 10 erlaubt unter bestimmten Auflagen sogar die Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten.
- Dokumentation und Nachverfolgbarkeit optimieren: Die lückenlose Nachverfolgung des Datenflusses von der Erhebung bis zur Anwendung in trainierten Modellen ist entscheidend, um die Intransparenz traditioneller „Blackbox“-KI zu beheben.
Die bevorstehenden Herausforderungen erfordern gezielte Investitionen in transparente Datenqualität, um die erforderlichen Standards nicht nur zu erfüllen, sondern auch das Vertrauen in europäische KI-Systeme zu stärken.
Fazit: Notwendigkeit zur Anpassung und Investition
Die kommenden Anforderungen der EU-KI-Verordnung stellen Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen, die eine systematische und gut dokumentierte Herangehensweise erfordern. Klare Nachweise zur Datenqualität und zur Minderung von Bias werden unverzichtbar sein, um zukünftige gesetzliche Vorgaben erfolgreich umzusetzen und Bußgelder zu vermeiden. Ein strukturiertes Vorgehen zur Einhaltung dieser neuen Standards ist nicht nur notwendig, sondern auch eine Grundlage für die Entwicklung vertrauenswürdiger KI-Anwendungen in Europa.

