Migration: 60 Euro pro Tag – Hotelunterbringung im Fokus des Rechnungshofs
Aktuelle Situation der Flüchtlingsunterkünfte in Berlin
Berlins Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe sieht für das Jahr 2026 einen ansteigenden Bedarf an Unterkünften für Flüchtlinge. Trotz eines Rückgangs geflüchteter Menschen im Jahr 2025, der sich bereits im Jahr zuvor abzeichnete, warnte Kiziltepe vor einer zukünftigen Herausforderung. Ihr zufolge sind von den 39.874 verfügbaren Plätzen in den Unterkünften des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) über 95 Prozent, konkret 38.087 Plätze, derzeit belegt. Diese Erhebung bezieht sich auf den Stand vom 18. Dezember. Ein zentrales Problem besteht darin, dass viele Geflüchtete, deren Anträge bereits entschieden wurden, weiterhin in den Unterkünften verweilen, anstatt in reguläre Wohnungen umzuziehen. Häufig finden sie keine bezahlbaren Alternativen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Situation geflüchteter Menschen aus der Ukraine. Kiziltepe berichtete von einem Anstieg an ukrainischen jungen Männern, die in den letzten Monaten nach Berlin gekommen sind. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass viele von ihnen seit geraumer Zeit rechtlich in der Lage sind, ihr Heimatland zu verlassen, welches sich seit fast vier Jahren im Konflikt mit Russland befindet. Die Zahlen belegen diesen Trend: Während im Frühjahr monatlich 300 bis 400 Ankünfte aus der Ukraine verzeichnet wurden, sind es aktuell 1.300 pro Monat. Diese Entwicklung zeigt die Dringlichkeit, zusätzliche Unterbringungskapazitäten zu schaffen, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Bedarf an neuen Unterkünften
Kiziltepe betont die Notwendigkeit, Berlin auf die bevorstehenden Herausforderungen vorzubereiten. Ihrer Meinung nach ist es Pflicht der Stadt, Menschen, die ein Asylrecht in Anspruch nehmen, menschenwürdig unterzubringen. Angesichts der bestehenden vollen Unterkünfte und der relativ geringen Fluktuation rechnet sie auch im Jahr 2026 mit weiteren Ankünften. Die Senatorin plant zudem, wenn nötig, weitere Hostels anzumieten. Derzeitig stehen in etwa 20 Hostels rund 3.300 Plätze zur Verfügung, von denen Mitte Dezember 3.100 belegt waren. Dies ist jedoch nicht die langfristige Lösung, die die Senatorin angestrebt hat; sie priorisierte ein im Jahr 2024 beschlossenes Programm zur Errichtung von dezentralen, qualitätsgesicherten Containerdörfern.
Die Koalitionsspitzen von CDU und SPD haben jedoch im November entschieden, das zuvor angestrebte Programm mit 11 Standorten vorerst zu stoppen. Dieser Schritt wurde damit begründet, dass die Entstehung weiterer Unterkünfte derzeit nicht notwendig sei. Stattdessen wollen die Parteien den Fokus auf große Unterkünfte in Tegel und Tempelhof legen, ergänzt durch eine langfristige Immobilie in der Hasenheide. Am ehemaligen Flughafen Tegel wird ein neues Ankunftszentrum nach EU-Standard mit einer Kapazität von 2.600 Migranten eingerichtet, ergänzt durch 500 zusätzliche Platzangebote in einer temporären Notunterkunft.
Kostenfrage und Alternativen
Die Senatorin hebt hervor, dass es für Berlin kosteneffizienter sei, Menschen in dezentralen Unterkünften unterzubringen, sei es in Containern oder in bereitgestellten Räumlichkeiten. Das eingestellte Wohncontainerprogramm hätte 3.300 Plätze bereitgestellt. Kiziltepe sieht in der Entscheidung die Absicht, dezentrale Unterbringung in landeseigenen Unterkünften als effektivste Methode für die Integration geflüchteter Menschen sowie für den Berliner Haushalt. Bedenken äußert sie hinsichtlich der steigenden Kosten bei der Unterbringung in Hostels und Hotels. Es wird geschätzt, dass die Kosten pro Platz in einem Hostel durchschnittlich 60 Euro pro Tag betragen, während Unterkünfte in Containerdörfern mit 20 Euro und in regulären Wohnanlagen mit 15 bis 20 Euro auskommen.
Die rückläufigen Zahlen geflüchteter Menschen in Berlin sind überaus bemerkenswert. Nachdem die Aufnahmezahlen in den Vorjahren kontinuierlich anstiegen, sank die Anzahl der in Berlin ankommenden Geflüchteten 2024 erstmalig auf etwa 21.000, was einen Rückgang von rund einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Der rückläufige Trend setzte sich auch im Jahr 2025 fort; bis einschließlich November registrierten die Behörden 13.380 geflüchtete Menschen. Dies führte zu verstärkten Diskussionen und Sorgen über die zukünftige Gestaltung der Flüchtlingsunterbringung in der Hauptstadt.
Fazit: Zukünftige Herausforderungen für die Flüchtlingspolitik in Berlin
Die Situation der Flüchtlingsunterkünfte in Berlin bleibt angespannt und stellt die Stadt vor bedeutende Herausforderungen. Während die Behörden versuchen, die aktuellen Rahmenbedingungen schnellstmöglich zu verbessern, ist es entscheidend, auch langfristige Lösungen für die Unterbringung und Integration der geflüchteten Menschen zu finden. Die Debatte über Kosten und Effizienz der Unterbringungsmodelle bleibt dabei ein zentrales Thema, das sowohl die politische als auch die gesellschaftliche Diskussion prägen dürfte.

