Aktuelle Inflation in Deutschland: Daten und Ursachen

Die Inflationsrate in Deutschland bleibt über dem kritischen Wert von zwei Prozent und beträgt im November 2023 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, ein Wert, der sich seit dem Vormonat nicht verändert hat. Diese Informationen stammen aus den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Während die Preise für Dienstleistungen erheblich steigen, zeigen die Lebensmittelpreise nur einen langsamen Anstieg. Eine signifikante Entlastung durch sinkende Energiepreise ist bislang nicht in Sicht für die Verbraucher.

Die Inflation hat nun im vierten Monat in Folge diese symbolisch wichtige Marke überschritten, was von Volkswirten wie Sebastian Becker von der Deutschen Bank als besorgniserregend angesehen wird, insbesondere angesichts der schwachen Konsumneigung und der insgesamt lahmenden Wirtschaft. Michael Heise, Chefökonom eines Vermögensverwalters, beschreibt den Rückgang der Inflation als einen zähen Prozess, der weitere Zeit erfordere, bevor eine spürbare Entlastung für die Verbraucher eintreten könne.

Preisentwicklung im Bereich Lebensmittel und Dienstleistungen

Im November stiegen die Preise für Dienstleistungen um 3,5 Prozent, was die Inflation maßgeblich vorantreibt. Dienstleistungen wie Autoversicherungen, Pauschalreisen sowie Besuche in Friseursalons und Restaurants sind hiervon stark betroffen. Diese Preissteigerungen sind zum Teil auf die Personalknappheit zurückzuführen, wodurch Unternehmen gezwungen sind, Löhne zu erhöhen. Laut Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank, werden diese Lohnsteigerungen weitgehend an die Verbraucher weitergegeben. Zudem wird die geplante Erhöhung des Mindestlohns ab dem 1. Januar 2026 voraussichtlich ebenfalls auf die Endpreise übertragen.

Die Lebensmittelpreise verzeichneten im November lediglich einen Anstieg von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was weniger als die allgemeine Inflationsrate ist. Dennoch bemerken Verbraucher beim Einkaufen, dass viele Nahrungsmittel im Vergleich zu den Vorjahren deutlich teurer geworden sind.

Inflation - Verbraucherpreise
Verbraucher spüren beim Einkauf die gestiegenen Lebensmittelpreise.

Boris Roessler/dpa

Entwicklungen im Energiesektor

Im Energiesektor ist kaum eine Besserung der Preise zu verzeichnen. Im November waren Kraftstoffe, Strom und Gas laut Statistik 0,1 Prozent günstiger als im Vorjahr. Von Oktober bis November 2023 sanken die Verbraucherpreise insgesamt um 0,2 Prozent. Die Kerninflation, die die volatilen Preise für Lebensmittel und Energie ausschließt, verringerte sich auf 2,7 Prozent, bleibt jedoch auf einem hohen Niveau. Dies wird von Ökonomen als eine schwierige Phase der Inflationsbekämpfung betrachtet, da die letzte Phase typischerweise die herausforderndste ist.

Löhne und Kaufkraft der Verbraucher

Ein Anstieg der Inflationsrate führt in der Regel zu einem Rückgang der Kaufkraft der Verbraucher. Die extremen Preisanstiege, die nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs beobachtet wurden, hatten die Inflationsrate sowohl 2022 als auch 2023 in die Höhe getrieben. Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren für 2023 eine moderate Inflationsrate von 2,1 Prozent, die 2024 ähnlich hoch ausfallen könnte. Positiv ist jedoch, dass viele Verbraucher durch gestiegene Löhne und eine gemäßigte Teuerungsrate über mehr Geld verfügen. Im dritten Quartal 2023 stiegen die Reallöhne, also die Bruttolöhne abzüglich der Inflationsrate, um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung wird als der höchste Anstieg in diesem Jahr gewertet und zeigt, dass die Reallöhne die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre ausgeglichen haben.

Ausblick auf die Preistrends

Die Aussicht auf einen signifikanten Rückgang der Inflationsrate bleibt jedoch vorerst ungewiss. Ökonomen schätzen, dass Verbraucher in Deutschland sich auch in naher Zukunft auf Teuerungsraten über zwei Prozent einstellen müssen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Ziel es ist, mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent im Euroraum zu erreichen. Solch eine Stabilität bei den Preisen würde der EZB erlauben, ihre Hauptaufgabe zu erfüllen.

Um die Preisentwicklung genau nachvollziehen zu können, erfasst das Statistische Bundesamt jeden Monat die Preisbewegungen einer Vielzahl von Waren und Dienstleistungen. Dabei werden tausende Einzelpreise von Gütern wie Obst, Gemüse, Kleidung und Möbel analysiert. Diese detaillierte Erhebung ist von großer Bedeutung, um ein realistisches Bild der wirtschaftlichen Lage zu gewinnen.

Fazit: Inflation und Preisentwicklung im Blick behalten

Die Inflationsrate in Deutschland bleibt auf einem anhaltend hohen Niveau, insbesondere bedingt durch steigende Preise im Dienstleistungssektor. Die moderate Entwicklung bei den Lebensmittelpreisen gibt zwar Anlass zur Hoffnung, jedoch bleibt die Gesamtlage mit der Kerninflation und den Energiepreisen angespannt. Künftige Lohnsteigerungen könnten den Verbrauchern mehr Kaufkraft bringen, doch die allgemeine Teuerung stellt nach wie vor eine Herausforderung dar.