Vielfältige Herausforderungen der Hightech-Agenda
Deutschlands Bedeutung in zukünftigen Schlüsseltechnologien: Eine Analyse
Von Andreas Heitker, Berlin
Deutschland steht im globalen Innovationsranking erneut hinter anderen Ländern zurück und belegt lediglich den zwölften Platz. Diese Einschätzung beruht auf einer Studie, die der BDI in Zusammenarbeit mit Roland Berger, dem Fraunhofer ISI und dem ZEW veröffentlicht hat. Besonders im Bereich der digitalen Forschung und Entwicklung schneidet Deutschland im Vergleich zu führenden Nationen wie den USA und China schlecht ab. Ein zentrales Problem ist die unzureichende Wertschöpfung im Hochtechnologiesektor und die niedrig Anzahl an transnationalen Patenten. Stefan Schaible von Roland Berger beschreibt die Situation als unzureichend, da Deutschland bei der Umsetzung von Wissen in marktfähige Innovationen hinterherhinkt.
Fokussierung auf Schlüsseltechnologien
Angesichts dieser Herausforderungen hat die Bundesregierung beschlossen, sich auf sechs Schlüsseltechnologien zu konzentrieren. Der Innovations-Masterplan, der im Juli 2021 von der schwarz-roten Koalition verabschiedet wurde, zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Die bürgerlichen Koalitionspartner haben Bereiche wie Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, klimaneutrale Energieerzeugung und Technologien für die klimaneutrale Mobilität identifiziert. Diese Felder stehen im Mittelpunkt der Strategie, um Deutschlands Wirtschaftsleistung im internationalen Wettbewerb zu steigern.
Die Rolle Künstlicher Intelligenz
Ein zentrales Ziel ist es, bis 2030 10% der deutschen Wirtschaftsleistung durch KI-technologische Anwendungen zu generieren. Hierfür soll die Verfügbarkeit von Algorithmen, Daten und entsprechender Hardware, wie Prozessoren und Chips, vorangetrieben werden. Im Bereich des Quantencomputings plant die Regierung, bis 2030 mindestens zwei leistungsstarke und fehlerkorrigierte Quantencomputer zu entwickeln. Zudem soll Deutschland als europäisches Zentrum für Chip-Design etabliert werden, um die eigene industrielle Basis zu stärken und den Technologietransfer zu fördern.
Optimismus in der Wirtschaft
Die neue Fokussierung wurde von verschiedenen Wirtschaftsvertretern positiv aufgenommen. Der BDI hat in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group eine Studie vorgestellt, die aufzeigt, wie Deep Tech als Wachstumsmotor fungieren kann. Diese Untersuchung beleuchtet die potenziellen Chancen der deutschen Industrie in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Robotik und Arzneimittelentwicklung. Die Prognosen deuten darauf hin, dass Deep Tech bis 2030 eine globale Wertschöpfung von bis zu 8 Billionen Euro generieren könnte. Experten von BDI und BCG sind optimistisch, dass Deutschland in diesem Sektor erfolgreich sein kann, basierend auf einer starken industriellen Basis und einer ausgeprägten Ingenieurskunst.
Technologische Souveränität als Ziel
Ein weiterer Fokus der Hightech-Agenda ist die digitale und technologische Souveränität. Politikvertreter betonen die Notwendigkeit, unabhängiger von externen Technologien zu werden, um die nationale Sicherheit langfristig zu gewährleisten. Bundeskanzler Friedrich Merz hat darauf hingewiesen, dass Deutschland innovations- und wachstumsstärker werden muss, um bestehende Potenziale zu nutzen und damit den Wohlstand und die Freiheit der Zukunft zu sichern. Diese Ansätze stellen auch eine Form der Verteidigungspolitik dar, da die technologische Kompetenz entscheidend für die Stabilität und Sicherheit des Landes ist.
Fazit: Aufholbedarf bleibt
Die Bundestagskoalition plant, mit der Umsetzung der Hightech-Agenda einen Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu fördern, um die Innovationskraft zu steigern. Gleichzeitig wird an Roadmaps für spezifische Technologiebereiche gearbeitet, um klar definierte Ziele zu erreichen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf dem globalen Markt zu stärken. Trotz der festgelegten Strategien bleibt abzuwarten, inwieweit diese Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und ob Deutschland seine Position in der globalen Innovationslandschaft verbessern kann.

