Erste Schätzung zur deutschen Wirtschaft: Stagnation im dritten Quartal

Die deutsche Wirtschaft hat im dritten Quartal 2023 eine technische Rezession nur knapp vermieden. Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ergaben, dass sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal nicht verändert hat. Laut der Behördenchefin Ruth Brand wurde die Entwicklung durch schwache Exporte negativ beeinflusst, während es einen leichten Anstieg der Investitionen gab.

Im ersten Quartal dieses Jahres wuchs das BIP noch um 0,3 Prozent, im zweiten Quartal kam es jedoch zu einem Rückgang um 0,2 Prozent. Das Nullwachstum im dritten Quartal bedeutet, dass die deutsche Wirtschaft nur knapp einer technischen Rezession entkommt. Diese liegt laut Definition vor, wenn die Wirtschaftsleistung zwei aufeinanderfolgende Quartale zurückgeht.

Investitionen und Konsum: Gemischte Signale

Die aktuellen Daten zeigen einen Anstieg in den Anlageinvestitionen von 0,3 Prozent, insbesondere in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge. Dieser Zuwachs spiegelt sich in der positiven Entwicklung der gewerblichen Pkw-Neuzulassungen wider. Gleichzeitig verzeichneten die Bauinvestitionen jedoch einen Rückgang von 0,5 Prozent. Der private Konsum stagnierte zum ersten Mal seit dem vierten Quartal 2022, was auf geringere Ausgaben in der Gastronomie und dem Beherbergungssektor zurückzuführen ist. Im Gegensatz dazu stiegen die Konsumausgaben des Staates um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, womit positive Impulse vom Außenhandel jedoch ausblieben.

Herausforderungen der Exportindustrie

Laut dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) ist die Krise in der Exportindustrie „gravierend und akut“. IMK-Konjunkturexperte Christian Breuer thematisierte die „massiven Schocks“, die durch die Energiepreiskrise, die US-Handelspolitik und die Situation in der chinesischen Industrie verursacht wurden. Er wies darauf hin, dass Diskussionen über Einsparungen und Sozialkürzungen in dieser Situation nicht hilfreich seien. Vielmehr müssten gezielte politische Maßnahmen ergriffen werden, um die Binnennachfrage zu stabilisieren und Unsicherheiten abzubauen.

Politische Maßnahmen und Prognosen

Breuer forderte, dass die Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität effizient eingesetzt werden, um wachstumsorientierte Impulse zu setzen. Analyst Carsten Brzeski von ING äußerte, dass die Kombination aus bestehenden Zöllen, dem geltenden Wechselkurs sowie politischen Spannungen Investitionen und Konsum weiterhin bremsen werde. Somit erwartet er, dass die Wirtschaft im letzten Quartal des Jahres stagnieren wird, mit einer möglichen Verbesserung erst im kommenden Jahr. Diese Verbesserung dürfte unter anderem durch fiskalische Impulse bedingt sein.

Fazit: Stagnation als Herausforderung

Die aktuelle Situation der deutschen Wirtschaft zeigt eine komplexe Gemengelage aus stagnierenden Wachstumszahlen, rückläufigem privatem Konsum und anhaltenden Schwierigkeiten in der Exportindustrie. Politische Steuerungsmaßnahmen sind gefordert, um die Herausforderungen zu bewältigen und die Wirtschaft auf einen stabileren Kurs zu bringen.