Deutsche Börse Aktie: 5 Milliarden Deal steht bevor
Deutsche Börse plant Übernahme von Allfunds
Die Deutsche Börse AG hat exklusive Gespräche zur Akquisition der niederländischen Finanzvertriebsplattform Allfunds aufgenommen. Der Wert dieser möglichen Übernahme beläuft sich auf 5,3 Milliarden Euro. Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hat bereits zugestimmt, was den Weg für weitere Verhandlungen ebnen könnte. Das Angebot sieht vor, 8,80 Euro pro Allfunds-Aktie zu bieten, wobei die Bezahlung zur Hälfte in bar und zur anderen Hälfte in neuen Aktien der Deutschen Börse erfolgen soll. Zudem sind gestaffelte Dividendenzahlungen im Gespräch, die 0,20 Euro für die Jahre 2025 und 2026 sowie 0,10 Euro pro Quartal im Jahr 2027 umfassen könnten. Das Board von Allfunds hat bereits einstimmig zugestimmt, diese Verhandlungen zu führen.
Allfunds ist bekannt für seine Angebote an Fondsmanagern und -vertreibern, die Systeme für Handel, Ausführung, Datenanalyse und Compliance bereitstellen. Ende September 2023 betrug das verwaltete Vermögen 1,7 Billionen Euro. Die größten Aktionäre, Hellman & Friedman sowie BNP Paribas, halten zusammen fast 50% der Anteile, was die Bedeutung und den Einfluss von Allfunds auf dem Markt unterstreicht.
Marktreaktionen und Aktienentwicklung
Trotz der umfangreichen Übernahmepläne zeigte sich der Markt eher gelassen. Die Aktie der Deutschen Börse verzeichnete am Tag der Bekanntgabe nur einen moderaten Rückgang und schloss mit einem Plus von 3,2 Prozent bei 228,30 Euro. Analysten weisen darauf hin, dass der Kaufpreis im Verhältnis zur Marktkapitalisierung der Deutschen Börse, die etwa 43 Milliarden Euro beträgt, vergleichsweise gering ist, da Allfunds lediglich rund zehn Prozent davon ausmacht. Im Gegensatz zur Deutschen Börse erlebten die Allfunds-Aktien einen erheblichen Kursanstieg von über 20 Prozent auf 8,03 Euro, was den höchsten Stand seit Anfang 2023 darstellt.
Diese unterschiedlichen Entwicklungen zeigen, dass der Markt die Übernahme als eine strategische Entscheidung der Deutschen Börse einordnet. Trotz der hohen finanziellen Dimension wird sie als relativ kleiner Schritt eines Unternehmens wahrgenommen, das bereits stark diversifiziert ist. Analysten betonen daher die Relevanz dieser Übernahme im Kontext der langfristigen Wachstumsstrategie der Deutschen Börse.
Strategische Überlegungen zur Expansion
Der geplante Erwerb von Allfunds reiht sich in die Bemühungen der Deutschen Börse ein, sich strategisch zu erweitern und ihre Angebote zu diversifizieren. CEO Stephan Leithner hat signalisiert, dass die kontinuierliche Weiterentwicklung des Unternehmens ein zentrales Ziel ist. Sein Vorgänger, Theodor Weimer, hatte bereits die Weichen gestellt, um die Abhängigkeit von den traditionellen Märkten für Aktien und Anleihen zu verringern, indem er Übernahmen und eine Diversifizierung der Geschäftszweige vorantrieb. Der Kauf von Allfunds könnte diesen Kurs weiter festigen.
Um die Akquisition tatsächlich umzusetzen, müssten jedoch mehrere Schritte beachtet werden, darunter eine Due Diligence-Prüfung, die Ausarbeitung der Transaktionsdokumente und die Einholung der erforderlichen behördlichen Genehmigungen. Dies zeigt, dass trotz der fortgeschrittenen Gespräche noch Unsicherheiten und Herausforderungen bestehen, die überwunden werden müssen.
JPMorgan erhöht Kursziel der Deutschen Börse
Zusätzlich zu den Übernahmeplänen erhielt die Deutsche Börse positive Signale von JPMorgan. Die Investmentbank hob die Einstufung der Aktie von „Neutral“ auf „Overweight“ und erhöhte das Kursziel von 246 auf 292 Euro. Dies entspricht einem potenziellen Anstieg von rund 30 Prozent. Die Analysten bei JPMorgan begründen diese Erhöhung mit der Annahme, dass die Aktie in der zweiten Jahreshälfte 2025 eine Underperformance gezeigt habe und die aktuelle Bewertung die Qualität und Diversifikation des Unternehmens nicht ausreichend widerspiegle.
Ein zentraler Aspekt, den JPMorgan hervorhebt, ist die Derivate-Sparte der Deutschen Börse, die von einer potenziell erhöhten Marktvolatilität profitieren könnte. Geopolitische Unsicherheiten, darunter die US-Zwischenwahlen und die Bundestagswahl in Deutschland im Jahr 2026, könnten zu einem turbulenten Markteszenario führen. Die Deutsche Börse könnte jährlich zwischen 2 und 2,5 Milliarden Euro an freiem Cashflow generieren, der für weitere Akquisitionen, Partnerschaften oder Aktienrückkäufe genutzt werden könnte, was zusätzliche Investoren anziehen könnte.
Fazit: Potenziale und Risiken der Akquisition
Die geplante Übernahme von Allfunds durch die Deutsche Börse stellt einen bedeutenden Schritt in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens dar. Während gute Marktreaktionen und Analystenoptimismus auf das Potenzial hinweisen, bleibt abzuwarten, ob alle Hürden für eine endgültige Durchführung der Transaktion genommen werden können. Die nächste Zeit wird entscheidend dafür sein, ob dieser Deal tatsächlich realisiert wird und welche Auswirkungen er auf die Marktstellung der Deutschen Börse haben könnte.

