Stromausfälle verhindern: VKU-Strategie für Notfall-Reserve
Vorschlag zur Schaffung einer nationalen Stromreserve
In Deutschland existieren bereits Einrichtungen wie das Technische Hilfswerk und die Bundeswehr, die Generatoren vorhalten. Dennoch sieht der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) die Notwendigkeit, eine deutlich umfassendere Reserve zu schaffen. Diese Reserve soll mobile Stromerzeugungsanlagen mit einer Gesamtleistung von mehreren Hundert Megawatt umfassen. Die dezentral lagernden Anlagen sollen im Krisenfall einfach von den betroffenen Netzbetreibern mobilisiert werden können. Dabei wird nicht nur auf klassische Dieselgeneratoren zurückgegriffen, sondern auch auf große, transportable Erzeugungsanlagen, die mit verschiedenen Brennstoffen betrieben werden können.
Der VKU hebt hervor, dass im Krisenfall keine Kompetenzfragen oder rechtlichen Aspekte wie Haftung, Genehmigungen, Kosten oder arbeitsrechtliche Fragen die schnelle Wiederherstellung der Stromversorgung verzögern dürfen. Angesichts der jüngsten Ereignisse in Berlin müsse dringend überprüft werden, ob bestehende Regelungen für solche Krisensituationen geeignet sind. Ein Beispiel für das Versagen der Zuständigkeitsklärung besteht im jüngsten Vorfall mit Drohnenüberflügen über deutschen Flughäfen, bei dem ein schnelles Eingreifen unmöglich war.
Angriffe auf die Infrastruktur: Eine neue Bedrohung
Die Reaktion des Berliner Stromnetzbetreibers auf die Krise wurde von VKU-Chef Ingbert Liebing positiv bewertet. Dennoch weist er auf die Herausforderungen hin, die mit einer sich verändernden Bedrohungslage und zunehmenden gezielten Angriffen einhergehen. Diese neue Dimension der Bedrohungen könnte auch in Zukunft zu ernsthaften Problemen führen. Vor einem Jahr warnte Liebing vor einem „hybriden Krieg“, der die nationale Sicherheit gefährden könnte. Die Erkenntnis, dass gezielte Angriffe auf die kritische Infrastruktur zunehmen könnten, stellt die Gesellschaft vor eine bedeutende Herausforderung, die neu bewertet und angegangen werden muss.
Notfall-Kapazitäten für die Stromversorgung
Der VKU betont die Dringlichkeit, rechtliche Vorgaben und Fragen der Zuständigkeit, die einer schnellen Wiederherstellung der Stromversorgung im Wege stehen könnten, umgehend anzugehen. Insbesondere müssen langwierige Genehmigungsverfahren für Schwertransporte im Krisenfall erheblich verkürzt werden. Darüber hinaus ist eine Klärung des rechtlichen Rahmens notwendig, damit Stromerzeuger im Notfall aktiv werden können. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Betreiber des Stromnetzes zwar für die Infrastruktur verantwortlich sind, jedoch nicht für die Belieferung der Endkunden – diese Verantwortung liegt bei den Versorgungsunternehmen.
Es besteht auch ein dringender Bedarf, die dezentrale Stromerzeugung zu fördern, insbesondere durch den Einsatz erneuerbarer Energien sowie durch Technologien zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Diese Technik ermöglicht es, die bei der Stromproduktion entstehende Abwärme ebenfalls zu nutzen, was zur Effizienzsteigerung beiträgt. Um die Widerstandsfähigkeit der Stromnetze zu erhöhen, fordert der VKU zudem eine Schaffung zusätzlicher Parallelleitungen (Redundanzen) sowie einen verstärkten Ausbau der Vernetzung der bestehenden Leitungen.
Der rechtliche Rahmen für Krisensituationen
Ein zentraler Punkt in der Diskussion um die Verbesserung der Krisenreaktion im Energiesektor betrifft die Notwendigkeit, die rechtlichen Vorschriften für im Notfall agierende Stromerzeuger unverzüglich zu überarbeiten. Derzeit ist es für Netzbetreiber problematisch, schnelle Lösungen umzusetzen, da sie ausschließlich für das Betreiben des Stromnetzes zuständig sind, während die Versorgung der Endkunden nicht in ihren Verantwortungsbereich fällt. Eine klare Trennung der Zuständigkeiten erschwert die zeitnahe Reaktion auf Krisen, insbesondere wenn diese durch gezielte Angriffe auf die Infrastruktur ausgelöst werden. Die Ausarbeitung eines flexiblen rechtlichen Rahmens gehört zur dringenden Aufgabenliste der relevanten Stellen, um handlungsfähig zu bleiben.
Fazit: Dringender Handlungsbedarf zur Krisenbewältigung
Insgesamt zeigt die Analyse der aktuellen Situation im deutschen Energiesektor, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um die Stromversorgung in Krisensituationen zu sichern. Es gilt, sowohl rechtliche als auch technische Rahmenbedingungen zu überprüfen und zu optimieren. Nur durch eine effektive und zügige Organisation der Notfall-Kapazitäten sowie durch eine Stärkung der dezentralen Stromerzeugung kann die Resilienz des Stromnetzes gegenüber zukünftigen Bedrohungen gewährleistet werden.

