Goldman Sachs hat Bayer in seine „Conviction List“ aufgenommen, da sich die Risikolage im Zusammenhang mit Glyphosat entspannt und die Pharmasparte des Unternehmens stark wächst. Das Kursziel wurde auf 42,50 Euro festgelegt.

Bayer zeigt sich an der Börse zunehmend als Comeback-Kandidat. Nach einem Kursanstieg von über 90 Prozent im Jahr 2025 wird die Aktie erneut von einer bedeutenden Empfehlung ins Rampenlicht gerückt. Dennoch bleibt die Frage, wie stabil diese Zuversicht ist, da die bestehenden rechtlichen Probleme rund um Glyphosat noch nicht vollständig geklärt sind.

Goldman-Empfehlung und Bewertung

Goldman Sachs hebt die Aktie aufgrund der bevorstehenden Entspannung der Rechtsrisiken im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichtungsmittel Roundup hervor. Bereits seit der Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 belasten verschiedene rechtliche Verfahren das Unternehmen und die Aktienkurse. Die Hauptaspekte der Goldman-Einschätzung umfassen die Aufnahme in die europäische „Conviction List“, ein Kursziel von 42,50 Euro, was etwa 12 Prozent über dem letzten Schlusskurs von 38,00 Euro liegt, sowie eine erwartete DividendenrenditeDividendenrendite Die Dividendenrendite gibt an, wie viel Prozent des aktuellen Aktienkurses ein Unternehmen pro Jahr als Dividende ausschüttet. Sie dient Investoren als Kennzahl, um die Attraktivität einer Aktie hinsichtlich regelmäßiger Ausschüttungen zu bewerten. Eine höhere Dividendenrendite kann auf eine starke Ausschüttungspolitik hinweisen, muss aber immer im Kontext von Unternehmenslage, Kursentwicklung und Nachhaltigkeit der Dividende betrachtet werden. #Dividendenertrag #Dividendenquote #Dividend-Yield #Ausschüttungsrendite von ca. 3 Prozent.

Der Handelstag zeigt, dass der Kurs leicht gesunken ist und bei 38,15 Euro notiert, was nur geringfügig unter dem Schlusskurs von 38,20 Euro des Vortages liegt. Auf Jahresbasis ist jedoch ein beeindruckender Anstieg von über 93 Prozent zu verzeichnen, wodurch sich der Kurs deutlich von seinem 52-Wochen-Tief bei 19,62 Euro entfernt hat.

Glyphosat-Risiken rücken in den Hintergrund

Goldman betrachtet die rechtlichen Herausforderungen für Bayer zunehmend als weniger bedeutend. Die Bank verweist auf die Fortschritte in den USA im Hinblick auf die Glyphosat-Verfahren. Von insgesamt etwa 197.000 Klagen wurden bereits rund 132.000 beigelegt, während Rückstellungen in Höhe von 7,6 Milliarden US-Dollar (Stand: September 2025) bestehen. Unterstützende Maßnahmen seitens der US-Regierung zur Überprüfung durch den Supreme Court könnten die Situation weiter entspannen.

Es wird erwartet, dass die Themen rund um Glyphosat im ersten Halbjahr 2026 erheblich an Bedeutung verlieren werden, was einen wesentlichen Bewertungsabschlag beseitigen würde, der die Aktie über mehrere Jahre belastet hat. Charttechnisch zeigt der Kurs von 38,15 Euro einen Aufwärtstrend, der circa 36 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 28,02 Euro liegt. Auch der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 42,22 Euro beträgt aktuell etwa 10 Prozent, was weiteres Potenzial für Kursgewinne andeutet.

Pharma-Sparte als Wachstumstreiber

Die Entschärfung der rechtlichen Risiken wird begleitet von einer verstärkten Wahrnehmung des operativen Geschäfts, insbesondere der Pharmasparte als bedeutendem Wachstumstreiber. Starke Umsatzbeiträge kommen aus verschiedenen Produkten:

  • Nubeqa (Prostatakrebs)
    Das Medikament erzielte in den ersten neun Monaten 2025 Umsätze in Höhe von 1,68 Milliarden Euro und hat durch eine erweiterte Indikation nun einen klaren Wettbewerbsvorsprung im Segment für hormonempfindlichen Prostatakrebs.
  • Kerendia (Nierenerkrankungen)
    Dieses Präparat wurde zur Behandlung von Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion zugelassen und ist in den USA der einzige nicht-steroidale Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist in diesem Bereich.
  • Lynkuet (Wechseljahresbeschwerden)
    Das Produkt hat die FDA-Zulassung zur Behandlung von Hitzewallungen erhalten und erweitert somit das Portfolio in einem wachstumsstarken Segment.

Goldman Sachs vertritt die Meinung, dass der Fokus der Anleger zunehmend von juristischen Risiken hin zu diesen potenziellen Wachstumstreibern im operativen Geschäft verschiebt.

Pipeline-Kandidaten als zusätzliche Katalysatoren

Neben den bereits etablierten Produkten könnten zwei Pipeline-Projekte bis 2026 zusätzliche Impulse setzen. Das Kontrastmittel Gadoquatrane befindet sich derzeit in der regulatorischen Prüfung in den USA und China. Positive Entscheidungen würden eine neue Erlösquelle im Bereich der bildgebenden Diagnostik eröffnen.

Zudem hat der Wirkstoff Asundexian zur Schlaganfallprävention in einer Phase-III-Studie die primären Endpunkte erreicht, was die Chancen auf eine Zulassung erhöht und die Perspektiven im Markt für kardiovaskuläre Therapien stärken könnte.

Solche Fortschritte in der Pipeline sind entscheidend für die mittelfristige Wachstumsstrategie des Unternehmens, da sie die zukünftigen Ertragsquellen der Pharmasparte maßgeblich beeinflussen.

Analystenbild bleibt gespalten

Trotz der positiven Entwicklung und der Empfehlung von Goldman Sachs zeigt sich das Bild unter den Analysten geteilt. Von 19 beobachtenden Experten empfehlen 9 den Kauf der Aktie, während 10 eine neutrale Haltung („Halten“) einnehmen.

Wichtige Erkenntnisse aus den aktuellen Analysen sind, dass das durchschnittliche Kursziel bei 34,18 Euro liegt, was unter dem aktuellen Marktpreis liegt. JPMorgan bewertet die Aktie mit „Overweight“ und einem Kursziel von 50 Euro, während Berenberg eine Bewertung von „Hold“ mit einem Kursziel von 41 Euro vornimmt.

Der Markt zeigt somit ein gemischtes Meinungsbild, in dem einige Analysten weiteres Potenzial sehen, während andere der Auffassung sind, dass die positiven Aspekte bereits in den aktuellen Kursen eingepreist sind.

Fazit: Bayer auf dem Weg der Besserung

Bayer zeigt mit einer Marktkapitalisierung von rund 37 Milliarden Euro und einer Kursentwicklung, die den Titel über langfristige Durchschnittswerte gehoben hat, einen deutlichen Stimmungsumschwung. Die Kombination aus abnehmenden Glyphosat-Risiken, einer wachstumsstarken Pharmasparte sowie einer vielversprechenden Pipeline erklärt, warum Goldman Sachs die Aktie als einen der europäischen Favoriten betrachtet. Der nächste Prüfstein wird der Quartalsbericht am 3. März 2026 sein, der Aufschluss darüber geben wird, ob Umsatz- und Gewinnentwicklung den gestiegenen Erwartungen gerecht werden können und die aktuelle Bewertung untermauern.