D-Wave Quantum zeigt vielversprechende Fortschritte in der Entwicklung seiner Quantentechnologien und kann zudem auf eine solide finanzielle Basis zurückgreifen. Nach einem Kursanstieg von über 170 % ist die Bewertung der Aktie jedoch in den Vordergrund gerückt und wirft Fragen zur langfristigen nachhaltigen Entwicklung auf. Das Unternehmen hat sich in den letzten zwölf Monaten besser entwickelt als der Gesamtmarkt, doch bleibt abzuwarten, ob die fundamentale Basis die gegenwärtige Bewertung rechtfertigt.

Technologische Entwicklungen bei D-Wave

D-Wave unterstreicht zu Beginn des neuen Jahres die entscheidenden Fortschritte seiner strategischen Ansätze, die sowohl Annealing- als auch Gate-basierte Systeme umfassen. Im Rahmen des Gate-Programms hat das Unternehmen die Produktion von Fluxonium-Qubit-Chips abgeschlossen, und die nächsten Schritte beinhalten die Verbindung dieser Teile mit Steuerchips. Diese Validierung ist ein entscheidender Schritt in Richtung eines skalierbaren, fehlertoleranten Quantensystems mit dem Ziel von bis zu 100.000 Qubits.

Gleichzeitig wird die Roadmap für die Annealing-Technologie vorangetrieben. Die Herstellung von Prototypchips für das neue System Advantage3 steht kurz vor dem Abschluss, während die erforderlichen Schaltungstests im ersten Quartal 2023 vorgesehen sind. Advantage3 baut auf dem Advantage2-System auf, welches im Mai 2025 eingeführt werden soll und bereits in anspruchsvollen Bereichen, wie beispielsweise der Zusammenarbeit mit Davidson Technologies für das US-Verteidigungsministerium, aktiv eingesetzt wird.

Finanziell betrachtet, präsentiert sich D-Wave gut aufgestellt: Das Unternehmen meldet im dritten Quartal 2025 Barmittel in Höhe von etwa 836 Millionen US-Dollar und einen Umsatz von 3,7 Millionen US-Dollar, was eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Diese Umsätze resultieren in großem Maße aus kommerziellen Implementierungen und Partnerschaften, unter anderem aus einer Vereinbarung mit der Q-Alliance in Italien über 10 Millionen Euro.

Marktbewertung und Erwartungen

Die schnelle Kurssteigerung hat D-Waves Marktkapitalisierung auf etwa 9,3 Milliarden US-Dollar ansteigen lassen, was die Diskussion um die Bewertung des Unternehmens intensiviert. Während die bestätigten technologischen Fortschritte die Wahrnehmung von D-Wave als innovativen Entwickler stützen, haben die Bewertungsmultiplikatoren enorm zugenommen. In einer aktuellen Analyse wird angemerkt, dass institutionelle Investoren in Bezug auf Unternehmen wie D-Wave und andere Quantum-Player wie IonQ und Rigetti weiterhin zurückhaltend sind, aufgrund hoher Kurs-Umsatz-Verhältnisse. D-Wave weist derzeit ein solches Verhältnis von etwa 315 auf, was die hohen Wachstumserwartungen widerspiegelt.

Im Gegensatz dazu favorisieren defensive Investoren oft größere Technologiekonzerne, die ebenfalls im Quantenbereich aktiv, jedoch breiter aufgestellt und valuation-technisch niedriger bewertet sind. Gleichzeitig unterstützt der Momentum-Ansatz die aktuelle Unternehmensstory von D-Wave als dem einzigen Anbieter, der sowohl Annealing- als auch Gate-Model-Systeme kommerziell bereitstellt. D-Waves enorme Liquidität von über 800 Millionen US-Dollar bietet dem Unternehmen den Spielraum, seine Hardware-Roadmap weiterzuverfolgen, ohne kurzfristig auf Kapitalmaßnahmen angewiesen zu sein.

Trends im Quantum-Sektor

Der gesamte Quantum-Sektor erfährt gegenwärtig eine umfassende Neubewertung. Einige entscheidende Kennzahlen der Branche sind wie folgt:

  • IonQ (IONQ): 44,87 US-Dollar Kurs, ca. 15,9 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung
  • Rigetti Computing (RGTI): 22,06 US-Dollar Kurs, ca. 7,4 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung
  • D-Wave Quantum (QBTS): 26,29 US-Dollar Kurs, ca. 9,3 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung

D-Waves beeindruckende Performance von 172 Prozent über die letzten zwölf Monate spiegelt diese allgemeine Branchenentwicklung wider. Treiber sind die wachsende Integration von Quantenprozessoren in Rechenzentren und der steigende Bedarf an Optimierungslösungen in Bereichen wie Logistik und Verteidigung. Allerdings bleibt die Situation im Halbleitermarkt angespannt, was durch Engpässe bei Hochgeschwindigkeits-Speichern und laufende Verhandlungen zwischen großen Spielern wie Nvidia und TSMC verdeutlicht wird. Dieses Umfeld bietet spezialisierten Quantum-Anbietern wie D-Wave indirekte Vorteile.

Ausblick auf das erste Quartal

Im aktuellen Quartal liegt der Fokus auf den bevorstehenden Tests der Advantage3-Prototypen. Sollten die Tests zur Validierung der neuen Schaltungsarchitektur erfolgreich verlaufen, könnte dies als wichtiger Katalysator fungieren, um die aktuell hohen Bewertungsniveaus technisch zu rechtfertigen. Eine etwaige Verzögerung beim Bonden der Fluxonium-Steuerchips könnte hingegen zu spürbaren Kursschwankungen führen, insbesondere nach der vorangegangenen Kursrally.

Analysten richten ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Geschwindigkeit, mit der D-Wave seine Prototypen in skalierbare, kommerzielle Angebote umwandeln kann. Mit Advantage2 generiert das Unternehmen bereits Umsätze aus Anwendungen in Verteidigungs- und Logistikprojekten. Für das Jahr 2026 wird zudem eine zunehmende Verlagerung von forschungs- und entwicklungsintensiven Tätigkeiten hin zu stabileren und wiederkehrenden Einnahmen aus laufenden Kundenprojekten erwartet.

Fazit: Zukunft von D-Wave Quantum

D-Wave Quantum zeigt weiterhin Fortschritte in der Entwicklung seiner Quantentechnologien und kann auf eine solide finanzielle Basis vertrauen. Während das Unternehmen in einem dynamischen Wachstumsmarkt agiert, bleibt es abzuwarten, wie sich die hohen Marktbewertungen langfristig entwickeln werden.