HR-Abteilungen stehen vor entscheidendem Compliance-Jahr
Regulierung von KI im Recruiting: Start der Umsetzung 2026
Für deutsche Personalabteilungen steht 2026 im Zeichen der vollständigen Umsetzung der europäischen KI-Verordnung (EU AI Act). Bis zum 2. August dieses Jahres müssen alle hochrisiko-KI-Systeme, die im Recruiting eingesetzt werden, vollständig konform zu den neuen Regelungen sein. Dies betrifft insbesondere Softwarelösungen, die zur Analyse von Lebensläufen oder zur Ranking von Bewerbungen genutzt werden. Der Start diesen Jahres stellt den Auftakt zur entscheidenden Umsetzungsphase dar, die einige Unternehmen vor große Herausforderungen stellen wird. Branchenbeobachter haben bereits darauf hingewiesen, dass die Zeit für theoretische Vorbereitungen abgelaufen ist.
Mit der neuen Verordnung wird eine Reihe von Anforderungen an die Transparenz und Dokumentation für KI-Systeme im Recruiting eingeführt. Bewerber müssen nicht nur darüber informiert werden, dass KI-Technologien zum Einsatz kommen, sondern auch die Möglichkeit haben, nachzuvollziehen, wie diese Technologien Entscheidungen beeinflussen. Dies bedeutet, dass intransparente „Black-Box“-Algorithmen künftig nicht mehr zulässig sind. Die bestehenden Recruiting-Tools müssen dringend auf diese neuen Anforderungen überprüft werden, da sie möglicherweise nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.
Bundesnetzagentur übernimmt Aufsicht
Eine entscheidende Rolle im neuen regulatorischen Umfeld wird der Bundesnetzagentur (BNetzA zukommen. Diese wird als zentrale Aufsichtsbehörde fungieren und in enger Kooperation mit Datenschutz- und Arbeitsschutzbehörden arbeiten. Die Suche nach Konformität wird für Unternehmen zu einer wichtigen Aufgabe. Die finanziellen Risiken von Verstößen sind erheblich: Bußgelder können bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des globalen Jahresumsatzes betragen, was die Sanktionen der DSGVO übertrifft. In diesem Zusammenhang ist es für Firmen wichtig, interne Zuständigkeiten festzulegen und die erforderlichen Nachweise (wie CE-Kennzeichnungen) von ihren Software-Lieferanten einzufordern. Die klare Zuweisung von Verantwortlichkeiten fördert die Planungssicherheit für Unternehmen, erfordert jedoch schnelles Handeln.
Transparenzregeln für Recruiting-Systeme
Zusätzlich zu den strengen Anforderungen an hochrisiko-KI-Systeme werden im Jahr 2026 auch allgemeine Transparenzregeln wirksam. Dies führt zu einer Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte im Personalwesen, wie beispielsweise Stellenanzeigen und Absageschreiben. Diese Regelungen tragen dazu bei, das Vertrauen zwischen Arbeitgebern und Bewerbern zu stärken. Ein weiterer zentraler Aspekt ist das Informationsrecht der Kandidaten, das zur Folge hat, dass sie darüber informiert werden müssen, wenn Entscheidungen wesentlich auf automatisierter Verarbeitung beruhen. Der rechtliche Rahmen für die Transparenz in der KI-Nutzung bedeutet für Arbeitgeber, dass sie die Art und Weise, wie ihre Systeme arbeiten, offenlegen müssen. Diese Herausforderung erfordert ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Offenheit und dem Schutz von Geschäftsgeheimnissen.
Compliance als Wettbewerbsvorteil
Die oft als hinderlich empfundene regulatorische Last kann in einem von Fachkräftemangel geprägten Arbeitsmarkt auch als Chance angesehen werden. Unternehmen, die klar kommunizieren, wie sie KI verantwortungsvoll nutzen und menschliche Entscheidungen unterstützen, können sich von Mitbewerbern abheben. Die „Trustworthy AI“ wird zu einem Qualitätsmerkmal, das für viele Bewerber zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der Fokus im kommenden halben Jahr sollte daher auf der Herstellung von Transparenz und der Einhaltung regulatorischer Anforderungen liegen. Dazu gehören die Planung und Fertigstellung technischer Dokumentationen sowie die Implementierung von Risikomanagementsystemen. Firmen müssen ihre Mitarbeiter schulen und die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, um die neuen Anforderungen vollständig zu erfüllen.
Fazit: Dringlichkeit und Chancen der neuen KI-Verordnung
Die EU-KI-Verordnung bringt signifikante Veränderungen für die Nutzung von KI im Recruiting mit sich. Unternehmen sind gefordert, ihren Umgang mit KI zu überdenken, um rechtliche Vorgaben zu erfüllen und das Vertrauen von Bewerbern zu gewinnen. Die bevorstehenden Fristen erfordern schnelles und entschlossenes Handeln, bieten jedoch auch die Möglichkeit, sich als verantwortungsbewusster Arbeitgeber zu positionieren.

