Frühchen profitieren am meisten von Probiotika in der ersten Woche
Einleitung: Bedeutung von Probiotika bei Frühgeborenen
Probiotische Präparate spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der Neonatologie, insbesondere bei Frühgeborenen. Die Forschung zeigt, dass diese Produkte möglicherweise eine schützende Funktion gegenüber nekrotisierender Enterokolitis (NEC) haben können, einer schweren Erkrankung, die oft bei frühgeborenen Säuglingen auftritt. Doch die optimale Zeit für die Verabreichung dieser Probiotika bleibt ein umstrittenes Thema. Eine aktuelle Studie aus Südkorea hat sich speziell mit den Effekten der frühen Gabe von Probiotika in der ersten Lebenswoche befasst und bringt neue Erkenntnisse in dieses bedeutende Forschungsthema.
Studienaufbau und Methodik
Um festzustellen, wann Probiotika am effektivsten eingesetzt werden können, haben Jeong Hoon Park und sein Team vom Gyeongsang National University Hospital in Jinju, Südkorea, die Krankenakten von Frühgeborenen analysiert, die zwischen 2011 und 2020 zur Welt kamen. Die Zielgruppe umfasste Säuglinge mit einem Gestationsalter von weniger als 32 Wochen und Kindern mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (VLBW). Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen unterteilt: die Gruppe mit früher Einführung (EI) von Probiotika, die innerhalb von sieben Tagen nach der Geburt behandelt wurden, und die Gruppe mit später Einführung (LI), deren Probiotika-Gabe erst nach sieben Tagen begann. Ein Vergleich der klinischen Merkmale und eine statistische Auswertung der Daten wurden vorgenommen, um die Auswirkungen der unterschiedlichen Zeitpunkte der Probiotika-Gabe zu ermitteln.
Ergebnisse und deren Bedeutung
Insgesamt nahmen 370 Säuglinge an der Studie teil. Die Analyse zeigte signifikante Unterschiede in den Geburtsmerkmalen zwischen den beiden Gruppen: Das mittlere Gestationsalter betrug in der LI-Gruppe 31,2 Wochen im Vergleich zu 29,1 Wochen in der EI-Gruppe, was einen p-Wert von weniger als 0,001 aufwies. Auch das Geburtsgewicht war signifikant höher in der Gruppe mit früher Probiotika-Gabe, mit 1491,4 Gramm im Vergleich zu 1235,9 Gramm in der Gruppe mit später Gabe (p<0,001). Diese Unterschiede verdeutlichen, dass Kinder, die früher mit Probiotika behandelt wurden, tendenziell gesünder und robuster waren. Multivariate Analysen ermittelten zudem, dass das Gestationsalter und der Zeitpunkt der enteralen Ernährung für die spätere Gabe von Probiotika entscheidend waren. Eine späte Einführung der Probiotika war mit einem höheren Risiko für verschiedene Komplikationen verbunden, darunter eine verzögerte vollständige enterale Ernährung sowie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Sepsis.
Folgerungen und Empfehlungen
Die Studie liefert klare Hinweise darauf, dass eine frühzeitige Gabe von Probiotika innerhalb der ersten Lebenswoche positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Frühgeborenen hat. Die Autoren argumentieren, dass durch die frühzeitige Intervention negative Folgen, die mit niedrigem Geburtsgewicht und Frühgeburtlichkeit assoziiert sind, vermindert werden können. Durch die frühzeitige Einnahme von Probiotika könnte das Risiko für Komplikationen, wie etwa eine extrauterine Wachstumsrestriktion, deutlich gesenkt werden, was sowohl für die kurzfristige als auch langfristige Gesundheit dieser besonders verletzlichen Patienten von großer Bedeutung ist. Daher wird in der Neonatologie die Implementierung und Berücksichtigung vorhandener Probiotika in der frühen postnatalen Versorgung empfohlen, um die Krankheitslast zu verringern und die Prognose von Frühgeborenen zu verbessern.
Fazit: Bedeutung für die klinische Praxis
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Ergebnisse der südkoreanischen Studie zur Gabe von Probiotika bei Frühgeborenen wegweisend sind. Sie unterstreichen die Wichtigkeit einer frühen Intervention und bieten wertvolle Einblicke für die klinische Praxis in der Neonatologie. Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die bestehenden Behandlungsrichtlinien zu aktualisieren und die Versorgung von Frühgeborenen weiter zu optimieren.

