Sinkende Inflation in Euro-Ländern, Deutschland als Ausnahme
Neueste Inflationsdaten in der Eurozone
Die kürzlich veröffentlichten Inflationsdaten aus den bedeutendsten Volkswirtschaften der Eurozone präsentieren ein vielschichtiges Bild der Preisentwicklung. In Deutschland, der größten Ökonomie der Region, ist die Inflation im November überraschend auf den höchsten Stand seit neun Monaten gestiegen. Dies ist maßgeblich auf gestiegene Lebensmittelpreise zurückzuführen, während die Energiepreise lediglich einen leichten Rückgang verzeichneten. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) liegt die inflationsbereinigte Teuerung in Deutschland im November bei 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was einen Anstieg gegenüber den 2,3 Prozent im Oktober 2025 darstellt.
In einem Monatstempo sanken die Preise im November um 0,5 Prozent, nachdem sie im Oktober um 0,3 Prozent gestiegen waren. Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass trotz des Anstiegs der jährlichen Inflation im Vergleich zu den Vormonaten, im kurzfristigen Vergleich eine gewisse Stabilität und möglicherweise Nachlass im Preisdruck zu beobachten ist.
Langsame Preissteigerungen in Frankreich
Im Vergleich dazu zeigen die Inflationsdaten aus Frankreich, dass der Preisdruck dort deutlich geringer ist. Vorläufige Schätzungen des Statistikamts INSEE deuten darauf hin, dass der EU-bereinigte Preisindex im November im Vergleich zum Vorjahr um lediglich 0,8 Prozent steigen könnte. Dies entspricht dem Niveau des Vormonats und liegt deutlich unter den 1,7 Prozent, die im Vorjahr gemessen wurden. Ökonomen hatten mit einem etwas stärkeren Anstieg von etwa 1 Prozent gerechnet.
Die vergleichsweise stabile Entwicklung der Preise in Frankreich spiegelt unterschiedliche Dynamiken wider. Während Dienstleistungen langsamer teurer werden, vermittelt durch günstigere Kommunikationsdienste, sinken die Preise für Industriewaren. Zudem ist ein leichter Rückgang bei den Energiepreisen zu verzeichnen, während die Lebensmittelpreise moderat steigen. Auf Monatsebene fielen die Preise im November um 0,2 Prozent, was in der Erwartung lag, dass sich die Preistrends stabilisieren könnten. Der Rückgang der Dienstleistungspreise, besonders in den Bereichen Verkehr und Kommunikation, hat zu dieser Entwicklung maßgeblich beigetragen.
Die Situation in Italien
Italien präsentiert ein ähnliches Inflationsbild. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex ist im November um 0,2 Prozent gesunken, was der identischen Veränderung im Oktober entspricht. Diese Entwicklung führt zu einer jährlichen Inflationsrate von 1,1 Prozent, im Vergleich zu 1,3 Prozent im Vormonat. Dies stellt den niedrigsten Stand seit Oktober 2024 dar.
Die moderate Inflation in Italien wird vor allem durch sinkende Energiepreise und eine langsamere Teuerung bei Dienstleistungen begünstigt, die steigende Preisbewegungen in anderen Bereichen ausgleichen. Der stärkste Rückgang war in regulierten Energiepreisen und der Telekommunikation zu beobachten. Dennoch gab es in einigen Kategorien, wie z.B. bei verarbeiteten Lebensmitteln, leichten Aufwärtsdruck. Diese gemischte Preisentwicklung verdeutlicht die unterschiedlichen Herausforderungen, vor denen die Verbraucher in Italien stehen.
Spanien und der Preisdruck
In Spanien, der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, gibt es einen besorgniserregenden Anstieg des Preisdrucks. Der EU-vergleichbare Verbraucherpreisindex stagnierte im November, nachdem er im Oktober um 0,5 Prozent gestiegen war. Dies widerspricht den Erwartungen, einen Rückgang von 0,2 Prozent zu verzeichnen. Im jährlichen Vergleich hat sich jedoch die Teuerung von 3,2 Prozent im Oktober auf 3,1 Prozent verlangsamt. Experten hatten einen niedrigeren Wert von 2,9 Prozent erwartet.
Steigende Preise bei Lebensmitteln, Verkehr und anderen nicht-energetischen Gütern treiben die Inflation in Spanien weiter an. Diese Entwicklungen sind besonders wichtig und könnten für die Europäische Zentralbank (EZB) von Bedeutung sein, die vor ihrer Sitzung im Dezember eine fundierte Entscheidungsgrundlage sucht. Die aktuell gültigen Leitzinsen von 2 Prozent lassen keinen Raum für einen Zinsschnitt, da die EZB ihre mittelfristigen Inflationsziele als weitgehend erreicht ansieht.
Fazit: Ausblick auf die Inflationsentwicklung
Die Inflationslage in der Eurozone stellt weiterhin eine Herausforderung dar, während die Inflation im Oktober bei 2,1 Prozent lag, was leicht über dem angestrebten Ziel der EZB von 2 Prozent liegt. Diese Situation untermauert die Einschätzung der Notenbank, dass der Preisdruck nach dem sprunghaften Anstieg infolge von Lieferkettenschocks und der Energiekrise weitgehend kontrolliert wurde. Trotz eines leichten Anstiegs der Inflationserwartungen, wie aus einer Umfrage der EZB hervorgeht, bleibt die EZB optimistisch hinsichtlich ihrer Inflationsziele für die kommenden Jahre.

